dab Radio – Die Zukunft des Radios

dab radio kaufen ukw radioEine Welle der Erneuerung zieht durch die Rundfunkszene und Spots im Öffentlichen Rundfunk legen den Zuhörern nahe, sich doch ein dab Radio zuzulegen. Aber was ist das eigentlich? Und was ist anders gegenüber einem herkömmlichen UKW Radio, das seit Jahrzehnten in Verbreitung ist und doch nicht mehr verbesserungsnötig erscheint?

 

Schließlich bietet UKW schon Stereo im Vergleich zur mehr oder minder vergessenen Mittelwelle, die vor der Ultrakurzwelle in Mono das ätherische Zuhause von Radiostationen war.

 

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Warum also ein neuer Standard, der die vielen Radiogeräte wertlos und einen Geräteneukauf nötig macht?

Es müssen also schon gewichtige Argumente her, um die Bevölkerung von ihren liebgewordenen Geräten zu trennen und sich für einen Neustart mit dab Radio entscheiden zu lassen. Kommt dazu, dass es bereits einen Versuch zur breiten Einführung von DAB gegeben hat und die Kampagne mangels Kaufinteresse an neuen Geräten misslungen war. Was ist diesmal anders und warum sollte die Einführung von digitalem Radio im zweiten Anlauf gelingen?

DAB - Radio - Die wichtigen Fragen
Was erwartet die Anwender, die sich ein neues Gerät anschaffen – sind sie in Gefahr, bei Scheitern des zweiten Einführungsversuchs auf unbrauchbaren Radios sitzenzubleiben? Gibt es ein Risiko, sich für DAB zu entscheiden? Oder gibt es Lösungen, die keine Sackgasse darstellen und die Brauchbarkeit des neuen Apparates in jedem Falle gewährleisten? Das wird hier zu untersuchen sein.

 

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Rückblick auf den misslungenen Vorläufer

DAB, das ist ‚digital audio broadcasting‘ für den erdgebundenen Empfang von Radiosignalen. Seit 1987 wurde dieser Standard von der Europäischen Union erforscht und bis zur Jahrtausendwende zur Marktreife geführt.

Das Eureka-147 genannte Projekt führte zu einem Standard für ganz Europa, wie er in der EN 300 401 als Norm festgelegt wurde. Als das Projekt loslegte, befand sich die Idee eines „digitalen UKW Rundfunks“ schon sechs Jahre im Raum. Die UKW-Frequenzen für Radioprogramme waren knapp geworden, private Anbieter waren als Konkurrenten um Sendeplätze hinzugetreten. Dazu steht die Topografie vielerorts der vollen Ausnutzung des analogen UKW Frequenzbereichs zwischen 87,5 und 108 Mhz entgegen.

dab radio sendemast

Das Projekt selbst stand unter Federführung der deutschen Forschungsanstalt für Luft und Raumfahrt, von Anfang an hatte man für das künftige dab Radio die Verwendungsanforderungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland im Sinn. Die geistigen Väter lassen sich am IRT, dem Institut für Rundfunktechnik in München finden. Die Koordination wurde von einer Nationalen Plattform DAB‘ übernommen, die das Bundesforschungsministerium 1990 begründete.

DAB - Radio - Was war die eigentliche Idee?
Statt eines rein analogen Audio-Signals sollte ein digitaler Code in Stereoqualität gesendet werden, der im Empfänger zu lupenreinem Hörfunk decodiert würde und dann keine atmosphärischen Beeinträchtigungen enthielte. Man setzte auf breitbandig ausgestrahlte Bündel.

Als dab Radio dann endlich ausgereift war, auf DAB gefunkt wurde und die ersten Geräte ab der Jahrtausendwende in den Handel kamen, blieb jedoch der Erfolg in der Breite aus. Zu wenige Verbraucher kauften die neuen Digitalradioempfänger, die zudem recht teuer waren.

 

Was ist anders mit der neuen dab Radio Generation?

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Der mangelnde Erfolg von DAB in den Nullerjahren war Grund für eine Ernüchtigung und die Neuausrichtung der Forschung. Kanada, Indien und Mexiko sind wieder zurückgerudert und haben Digital Audio Broadcasting wieder aufgegeben.

In China, Ukraine, Südafrika, Türkei, dem Balkan und Indonesien ist man (noch) nicht über Versuche hinausgekommen. Saudi-Arabien, Sudan und die Russische Föderation gelten lediglich als ‚interessiert‘. Die USA, ganz Südamerika und die meisten Länder Afrikas bleiben von DAB unberührt. Unterdessen findet DAB in den meisten europäischen Ländern im Sendebetrieb Verwendung, wenn auch nicht überall flächendeckend.

Das DAB wich der DAB+ Technik, welche wesentlich besser war.
In Frankreich etwa sind nur Großstädte versorgt und in Italien bleibt der Ausbau den Privaten überlassen. Was ist der Grund gewesen für den mangelnden Erfolg des ersten Digitalradios? Technische Probleme sind wohl auszuschließen. Vielmehr mangelte es an Akzeptanz durch die Verbraucher. Es wurden zu wenige Neugeräte verkauft, um die Sache wirtschaftlich zu pushen. Nach und nach stellten DAB Sender ihre Arbeit wieder ein, manche wie der MDR sogar schon während der Testphase in den Neunzigern.

Der Wegfall staatlicher Subventionen im kritischen Jahrzehnt danach sorgte mancherorts ebenfalls für das Ende, besonders unter Privatsendern. Demselben Problem der Massenverbreitung wird sich dab Radio auch heute stellen müssen, seit Neustart als DAB+ im August 2011.

Die Vorzeichen stehen nun allerdings günstiger, weil die neuen Radiogeräte längst nicht mehr so kostspielig sind als diejenigen während des ersten Einführungsversuchs. Dazu versucht die Industrie, den Übergang zu dab Radio leichter zu machen durch Hybridgeräte, die sowohl herkömmliche UKW als auch DAB Signale zu empfangen erlauben. Der Verbraucher muss somit keine harte Entweder-Oder-Entscheidung fällen.

 

Ein Neubeginn des digitalen Hörfunkzeitalters

Was dem Neuanlauf mit DAB+ nicht gerade nützt, ist die Tatsache, dass die Geräte der ersten Generation DAB nicht kompatibel sind mit dem neuen Standard, wie er seit 2011 sukzessive einsetzte. Für Besitzer der Digital-Radiogeräte aus der Zeit des ersten Einführungsversuchs gibt es damit keine Möglichkeit, diese weiter zu verwenden. Ein Highlight sind neuere Autoradios mit DAB- Empfang im Auto.

Man kann sie also wegwerfen oder einem Museum spenden, weil das dab Radio von heute keine digitalen Signale der Vorläufertechnologie mehr verarbeiten kann; es sei denn, die Altgeräte können mit neuer Firmware in der Art eines Treiberupdates beschickt werden. Es gilt die Faustregel, dass alle seit 2010 neu verkauften Geräte mit dem neuen Standard DAB+ ausgerüstet sein sollten.

Bei ihnen ist zudem eine Abwärtskompatibilität gegeben, falls das noch irgendwen interessieren sollte, angesichts eingestellter DAB Sendesignale. Dagegen ist manches dab Radio neuerer Bauart nicht mit allen Frequenzen des VHF-Bandes III und L-Bandes zu gebrauchen. Weniger Schwierigkeiten in der Akzeptanz hat das Digitalradio im Auto zu überwinden.

In neuen Fahrzeugen ist die neueste DAB Technik meißt standardmäßig verbaut.
Wer sich ein neues Auto kauft, bekommt praktisch vom Hersteller in den meisten Fällen die aktuelle Technologie für das darin verbaute Radio mitgeliefert, und das wird dann eben ein dab Radio sein.

So erklärt sich mit dem Erneuerung des Fuhrparks fast automatisch der hier größte zu verzeichnende Anstieg von Digitalradios in der Bevölkerung, während es bei Indoor-Apparaten in den Haushalten immer noch anders aussieht. Im folgenden Abschnitt soll die technische Besonderheit des dab Radio neuester Generation erklärt werden.

 

Features eines dab Radio

Für den Neuanlauf bekam der Digitalradioempfang bessere Verfahren für Kanalkodierung und Kompression spendiert; das ‚alte‘ MP2 Format wurde fallengelassen. Bei einer gleich großen Sendeleistung ist der neue Standard des dab Radio mit höherer Reichweite und besserer Empfangssicherheit gesegnet.

Aus den Erfahrungen des ersten Startversuchs hatte man gelernt, 2011, also von Anfang an, mit einem bundesweiten DAB+ Multiplex, ‚Bundesmux‘ genannt, einem bunten Mix von Sendern anzutreten, um sogleich einen abrufbaren Nutzen für Käufer des dab Radio anzubieten, gleich in welchem Bundesland sie leben.

Das kontrastiert stark mit der wechselhaften Zuwendung und Wiederabwendung von Bundesländern bzw öffentlich-rechtlicher wie privater Sendeanstalten während der Erprobung und Einführung des ersten Digitalradiostandards. Ursprünglich war gedacht, das L-Band den Lokalradiostationen vorzubehalten. Nach Aufgabe wegen zu hoher Dämpfung in diesem Frequenzbereich stellen die nunmehr fehlenden Plätze für Lokalradios ein Problem dar.

2017 wurde ein zweiter Bundesmux mit weiteren Programmen im Paket ausgeschrieben, 2019 soll er eingespeist werden. Mit den eigentlichen Radio-Inhalten sendet DAB+ Zusatzinformationen, die nicht hörbar aus den Lautsprechern des Endgeräts dringen, sondern Inhalte für das Display am Gerät liefern. Das können Albumcover zum gerade gespielten Lied sein, der elektronische Programmführer, Nachrichten und Verkehrsinfos.

Für diese bildlichen und textlichen Services gibt es viele Abkürzungen wie DLS+ (Dynamic Label Service), EPG (Programmführer), SLS, TPEG, RADIOS VIS (Bilder), FILE COLLECTOR (eine Art Speichermodul für Audiodateien), JOURNALINE, BWS (Browser für Webseiten), ANNOUNCEMENTS. Was davon tatsächlich nutzbar ist, hängt stark von der Ausstattung des Endgerätes ab. Besonders die Verkehrsinformationen der ANNOUNCEMENTS und TPEG sind wegen ihres Nutzwertes im Straßenverkehr ein wichtiger Grund für die Verbreitung von DAB Radios in Fahrzeugen neuester Fabrikation.

 

Vorteile des neuen terrestrischen Digitalradios

Als terrestrisches Radio ist dab Radio vom Sendemast auch weiterhin nicht unangreifbar für Störungen atmosphärischer Art oder Probleme der Topografie, anders als einen die Werbekampagne glauben macht, die die ‚bessere Qualität‘ als Hauptmerkmal besingt.

Die wenigsten UKW Radios hatten wirklich ein ‚Rausch‘-Problem. Dieses Argument gehört eher in die Welt der noch älteren Mittelwelle. Die genannten Zusatzdienste in visueller und textlicher Form sind dagegen ein klares Novum.

Einfache Bedienung und viele Sender - DAB Technik
Dab Radio liefert auf einem Frequenzblock mehrere Programme gleichzeitig, was mehr Auslastung verspricht als der alte UKW Frequenzbereich bieten könnte. Mit Wegfall des L-Bandes ist jedoch wieder ein Mangel an Sendeplätzen, namentlich für Lokalradios, zu erkennen. Was die Bequemlichkeit angeht, macht die Sendereinstellung an einem dab Radio nur einen Tastendruck nötig. Die Frequenz muss nicht erst an einem Drehknopf gesucht und akustisch vom Benutzer erkannt werden.

In einem Autoradio bleibt der Sender erhalten und wird nicht wie beim herkömmlichen UKW Empfang durch die Bewegung des Fahrzeugs aus dem Sendegebiet heraus schwächer und irgendwann verloren, es wird dann der nächstverfügbare Sendemast anvisiert.

Im Unterschied zu Internetradio, das einen Zugang über Provider ins Internet erfordert, entstehen keine Zugangskosten zur Verbindung. Es sollte auch nicht zu sporadischen Abtrennungen kommen wie das mit einer Internetverbindung geschehen kann.

 

dab Radio und die Zukunft von UKW

Die Abdeckung des Bundesgebietes mit DAB+ Signal ist inzwischen fast flächendeckend und wird für Ende 2018 mit fast 97 Prozent angegeben. Es ist zu erwarten, dass nach vollständiger Abdeckung und dem erfolgten Massenverkauf von dab Radio Geräten die Ausstrahlung von Radioprogrammen auf UKW Frequenzen eingestellt wird, wie das schon etwas voreilig in Norwegen geschehen ist und in der Schweiz geplant ist. europakarte

Reisende müssen sich aber auf Ausfälle ihrer Geräte einstellen, wenn sie sich aus dem Raum bewegen, der von DAB+ versorgt wird. Die Versorgungslage in anderen Ländern, selbst innerhalb Europas, kann sehr unterschiedlich aussehen.

Übergangslösung: Umschalten zwischen UKW und DAB mit Hybridgeräten
Manche mögen Digitalradio nie einführen. Die Lösung dafür sind die bereits im Handel erhältlichen Hybridgeräte, die ein Umschalten zwischen DAB+ und UKW ermöglichen, je nach Verfügbarkeit. Es mag später jedoch dab Radio Geräte geben, die kein UKW Modul mehr enthalten, weil Hersteller die Hybridfunktionalität zu diesem Zeitpunkt nicht mehr für nötig halten und ihre Herstellungskosten begrenzen möchten.

So genannte Zugpferde sollen die Kaufentscheidung für digitale Rundfunkgeräte erleichtern. Darunter versteht man populäre oder in einer Nische (wie ‚90elf‘ mit der Übertragung von Fußball-Bundesligaspielen) einzigartige Sender, die durch ihre alleinige Verfügbarkeit unter DAB+ zum Kauf eines dab Radio anregen sollen.

 

Alte Radios und was daraus wird

dab radio röhrenradioDoch was wird aus alten Radios? Für Sammler, Ästheten und Leute, die ihre seit Jahrzehnten laufenden klassischen Radiogeräte mögen, fällt die Entscheidung zu einem dab Radio schwer, da sie an ihren Geräten hängen.

Das kann ein Röhrenradio aus den Fünfzigern, ein Transistorradio aus den Sechzigern, wertige HiFi-Bausteine namhafter (und nicht mehr existierender) Gerätehersteller aus den Siebzigern oder Achtzigern sein.

Diese können nicht nur einen ganz eigenen Klang haben, sondern ein haptisches Erlebnis vermitteln, wie es mit aktueller Technik nicht mehr gegeben ist oder mit nostalgisch gestylten Geräten nur unzureichend kopiert wird. Glücklicherweise werden diese Liebhaber nicht allein gelassen und damit für das dab Radio auch nicht verloren.

Denn der Markt kennt bereits Adapter und Signaleinspeiseboxen, die helfen, ein altes Radio selbst dann weiterzubetreiben, wenn zu den bereits weggefallenen MW-Frequenzen auch die UKW-Frequenzen leer werden bzw anders genutzt werden. Dazu braucht es zumindest einen Audiostecker- oder Antennen-Eingang oder es muss mit einem Eingriff kompatibel gemacht werden.

 

Was ist in meinem Bundesland los?

Was über dab Radio gehört werden kann, hängt stark vom Bundesland ab. Nur der ‚Bundesmux‘ mit dreizehn Programmen ist wirklich überall zu hören. Man kommt so in Süddeutschland gegenwärtig auf etwas mehr als 50 Programme.

Das Angebot der Digitalsender verdoppelt sich
Ab 2019 und dem zweiten ‚Bundesmux‘ in akustischer Aktion wird die Grundausstattung an Kanälen vermutlich verdoppelt. Öffentlich-rechtliche Rundfunkprogramme sind auf Landesgrenzen beschränkt, je nachdem, was das Bundesland in seinem Bereich an Programmen aufbieten darf.

Der Grund dafür ist, dass Rundfunk Ländersache ist. In Grenzlagen kann es zum Empfang aus dem Nachbarland kommen, wenn das eigene Signal schwächer ist. Nur der Deutschlandfunk ist überregional per dab Radio in Verbreitung.

Mit Änderungen in der gesetzlichen Grundlage kann sich das natürlich in jedem Bundesland entsprechend ändern. Nach einigen Jahren Feldversuchen und Auswertungen werden sich sicher weitere Änderungen in der Zusammensetzung des Rundfunkangebots per dab Radio ergeben – etwa wenig erfolgreiche Sender ausfallen und Platz für andere machen.

 

Zusammenfassung und Ausblick

Die Zukunft des dab Radio mit DAB+ hängt also wiederum von der Annahme durch die Bevölkerung ab, wie schon die Vorgänger-Gerätegeneration beim Anlauf des ersten terrestrischen Digitalradios.

Eine seit Jahrzehnten bestehende Vollausstattung mit Radioapparaten in den Haushalten, die kaum technisch ausfallen, ist begreiflicherweise hinderlich für den Erfolg. Da zudem meistens UKW störungsfrei und in ausgezeichneter Qualität empfangen werden kann, stellt eine ‚bessere‘ Empfangsqualität für die meisten Verbraucher auch kein echtes Kaufargument dar.

Dennoch ist dem zweiten Anlauf der dab Radio Einführung eine höhere Erfolgsschance zu attestieren, da die Anschaffungspreise für Neugeräte diesmal deutlich geringer ausfallen , eine oft gebotene Hybridfunktionalität einen Kauf ohne Reue und ohne Entbehrungen in der Übergangsphase verspricht, das Angebot an Sendern vom Start weg besser aufgestellt ist, und es Einspeiseadapter für bestehende Radiogeräte gibt, welche aus unterschiedlichsten Gründen nicht zur Ersetzungs-Debatte stehen.

Dies ist auch die Zeit, um mit auffallenden, attraktiven, wertigen Radiodesigns Käufer für sich und damit DAB+ zu entscheiden. Allenfalls im mobilen Radioempfang per PKW scheint die Akzeptanz durch die laufende Aktualiserung des Fahrzeugbestandes in der Bevölkerung, schon wegen anderer Argumente (Umweltzonen etc), sicher.